Projekt 2007

Allgemeine Informationen

Die Designausstellung Klang Raum Garten der Köln International School of Design ist eines der Projekte, die mit viel Öffentlichkeit vom 21.09. bis zum 28.09.2007 im Rahmen der plan07 präsentiert werden. Das „Forum für zeitgenössische Architektur“ zieht seit 1999 Jahr für Jahr eine große Anzahl an Besuchern an. Mit einem vielseitigen Programm aus unterschiedlichsten Ausstellungs- und Veranstaltungsformen, die das Event quer durch die Stadt miteinander verknüpft, ist es gleichermaßen bei Architektur-“ Insidern“, als auch einem breitgefächerten Kulturpublikum sehr beliebt.

Wie gehen wir mit Natur um? Sie ist im urbanen Kontext lediglich noch als konstruierte Idylle anzutreffen und selbstverständliches Instrument des Menschen geworden. Dieses Jahr wird sich Klang Raum Garten dem Leitthema der plan07 "Urbanismus" auf experimentelle Weise nähern. Gezeigt werden studentische Beiträge der KISD, welche das enorme Spannungsfeld zwischen Urbanität und domestizierter Natur untersuchen und das Verhältnis des Menschen zur Natur verschiedenartig reflektieren.

Ausstellungsraum ist der Stadtgarten selbst, der als Landschaftspark und älteste Grünfläche im Zentrum Kölns einen idealen Standort für das Projekt bietet. Klang Raum Garten wird von den KISD-Professoren Björn Bartholdy und Günter Horntrich, sowie dem Klang- und Medienkünstler Frank Schulte betreut, der bereits die letzten zwei Jahre mit eigenen Projekten auf der plan vertreten war. Die Ausstellung ist offizieller Bestandteil des Programms der plan07 und wird über die entsprechenden Kanäle vorgestellt und beworben, z.B. Website und Programmheft (Auflage: 10.000 Stück). Zusätzlich gibt es eine projekteigene Website und Broschüren, bzw. Flyer, welche die Installationen begleitend erläutern und publizieren.

Reinraum-Biotop

Eine weiße Kuppel mitten im Park birgt ein Stück nahezu authentischer Natur. Mit einem entscheidenden Unterschied: Steine, Gräser, Büsche, Bäume – wirklich alles ist hier in reinstes Weiß getüncht. Im Moment des Betretens wird die utopische Vision einer durchgestalteten und sterilisierten Umwelt perfekt. BesucherInnen tauchen in eine faszinierend skurrile Klangkulisse aus synthetischen Vogelgesängen, elektronischem Grillenzirpen, und gepitchtem Raubtiergebrüll ein. Ein ganzer Urwald ist hier in hörbar computergenerierte Klanghülsen verpackt. Das eingekapselte Reinraum-Biotop im Park versinnbildlicht das menschliche Bedürfnis, Natur zu konsumieren und dabei dennoch das ursprünglich Natürliche – Schmutz, Fressfeinde, Unkraut und Ungeziefer – auszuklammern. Genau auf diesem Widerspruch beruht ja schon der Park als vollständig artifizielle urbane Struktur, die ihren eigentlichen Mehrwert eben aus dem Anschein ihrer Natürlichkeit zieht. Analog dazu ist aber auch der Reinraum in fröhlicher Ambivalenz nicht bloß modernes Mahnmal, sondern gleichzeitig publikumswirksamer Erlebnisraum. Das akustische Ereignis und der futuristisch gestylte Ort laden zum Entdecken, Verweilen und Genießen ein.

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Corporate Birds

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Verteilt im Stadtgarten sitzen überdimensionierte Vögel aus Kunststoff. Die comic-haft überzeichneten Kreaturen verfügen über eine liebliche Gesangsstimme, die sie fröhlich in den Dienst des Konsums stellen. So zwitschern die eigentlichen Corporate Birds den geneigten ParkbesucherInnen Werbejingles und Sound-Logos bekannter Marken entgegen, während Artgenossen vom Typ »Nature 2 Go« ihren Gesang zum Download per Handy anbieten und die »Acoustic Tag Birds« auf Knopfdruck aufgesprochene Nachrichten speichern, die sie später spontan wiedergeben, wenn andere PassantInnen sich ihnen nähern. In dieser Kombination verwandeln die künstlichen Vögel den Park in eine regelrechte Service-Landschaft. In ihrer Absurdität sind sie ein ironisches Statement: Wenn die Natur im Park ohnehin schon eine künstlich gestaltete ist, dann kann man sie auch noch viel radikaler formen und dem Mensch zunutze machen, als das bisher der Fall ist. So integriert sich der Park der Zukunft dank der Corporate Birds ganz folgerichtig in die ihn umgebende urbane Kommerzwelt und wird zum spannenden Konsumereignis. Nachts leuchten die Vögel in unterschiedlichen Farben, was dem Park zusätzlich einen besonderen Attraktionswert verschafft.

Schwebender Audiograph

In einer langen, leicht gewundenen Reihe mit wechselnder Höhe schweben große kugelförmige Ballons mitten über dem Stadtgarten und leuchten bisweilen punktuell und flackernd, bisweilen in sukzessiver Abfolge und hoher Intensität auf. Es handelt sich bei dieser Installation um einen überdimensionalen »Audiographen«, ein Instrument also, das Geräusche visualisiert. Die Intensität, in der die transluzenten Kugeln leuchten richtet sich dabei ganz einfach nach dem aktuellen Lautstärkepegel an der Position des jeweiligen Ballons – allerdings mit eindrucksvollem Resultat: Geräusche vom Boden werden zu leisen visuellen Signalen transformiert, die hoch über den Baumwipfeln die Geschehnisse im Park nach Außen hin wahrnehmbar machen. Die regelmäßig vorbeifahrenden Züge entzünden hingegen jedesmal eine regelrechte Kettenreaktion des Audiographen, dessen Aufleuchten die Bewegung der fortschreitenden Lärmquelle nachvollzieht, während das Glockenläuten der gegenüberliegenden Kirche in rhythmischem Blinken erwidert wird. Nicht ausschließlich, aber vorrangig und am eindrücklichsten bei Nacht erfüllt der schwebende Audiograph so eine identitätsstiftende Funktion für den Stadtgarten und erweitert dessen Einflussbereich in das umliegende Stadtgebiet.

Audiograph

Synästhesia Park

Ein besonderes Spektakel spielt sich regelmäßig im Stadtgarten ab, wenn eine Gruppe von Bäumen ihren merkwürdigen Auftritt hat: Jedem dieser Bäume ist nämlich ein spezieller Klang zugeordnet, der aus seiner Krone ertönt, während diese zugleich in einer ebenfalls spezifischen Farbe aufleuchtet. Anfangs sporadisch, gleichsam zögerlich geben die Bäume so ihre ersten Signale von sich, bis sich erste Motive und Melodien entwickeln. Die Abfolge der Töne wird langsam konstanter und nach und nach entfaltet sich eine immer komplexer werdende Komposition, welche die Parkflora zur Veranstaltungstechnik, den Rasen zur Bühne und die verblüfften Parkbesucher zum Publikum eines interpretenlosen Konzerts transformiert. Synästheten werden ihre hellste Freude haben.

 

 

Klangkarte des Stadtgartens

Eine digitale Karte des Stadtgartens ist mit Informationen codiert, welche die herkömmliche Kartografie zu erfassen gar nicht in der Lage ist: Nicht vorrangig auf topografischen, sondern auf akustischen Daten basiert die Klangkarte – sie lokalisiert Geräusche in Raum und Zeit. Während eine solche Karte womöglich schon in naher Zukunft, vermittels immer präsenterer und potenterer Technik, die volle Komplexität der Geräuschkulisse eines Ortes synchron zum echten Geschehen darstellen könnte, können die hier modellhaft kartografierten Geräusche nur Ausschnitte eines bereits vergangenen Ganzen sein. Allerdings steckt in der Aufgliederung der komplexen Geräuschkulisse in einzelne, isolierte Ereignisse ja bereits ein bewusster Akt der Selektion und somit auch Verfügbarmachung. Die Klangkarte entstand nämlich ursprünglich als Recherchetool im Zuge erster Erkundungen des Stadtgartens. Durch ihre Verortung in den Spichern Höfen im Rahmen der plan07 erhält sie nun eine ganz neue Funktionalität, die sich maßgeblich aus der Wechselwirkung mit dem gegenüberliegenden Stadtgarten ergibt.

 

 


© 2007 by Köln International School of Design + Frank Schulte | Impressum

Klangkarte
Diese Übersichtskarte stellt die nicht nur die geografischen Gegebenheiten des Stadtgartens dar, sondern auch die auditiven Erlebnisse des Parks.

plan07 -
Forum für zeitgenössische Architektur

Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm plan ist 1999 mit seiner Erstausgabe angetreten, um ein neues Mittel der Kommunikation für Architektur und Städtebau zu schaffen: ein jährlich wiederkehrender Termin als Kulturangebot, das sich gleichermaßen an Architektur-„Insider“ aus allen Bereichen und an ein breites Publikum wendet. Das „Forum aktueller Architektur“ bietet eine Netzwerk-Situation, die sowohl einem direkten Kontakt zwischen den Akteuren architektonischer und städtebaulicher Prozesse dient, als auch die populäre Beschäftigung mit Architektur, Stadtplanung und Baukultur befördert. 2007 wird das Architekturfestival plan zum neunten Mal einen Parcours quer durch die Stadt entstehen lassen, der die unterschiedlichsten Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, aber auch unterschiedlichste Ausstellungs- und Veranstaltungsformen miteinander verknüpft. Dabei wird insbesondere der öffentliche Raum und somit die gesamte Stadt zum Aktionsort und zur Bühne für die einzelnen Projektbeiträge. Mit der von uns geöffneten Plattform für internationale Kunst in Form von Installationen, Aktionen, Fotografie und neuen Medien, verbunden mit soziologischen, ethnologischen, geographischen, aber auch designorientierten Ansätzen, haben wir eine Art „Cross-Architecture“-Bereich geschaffen, der gerade für ein breitgefächertes Kulturpublikum von besonderem Interesse ist.

„Nur Wilde und Götter leben nicht in der Stadt.“ (Aristoteles)

Das zentrale Thema von plan07 ist „Urbanismus“. Ein vieldeutiger Begriff, der zur Zeit – vor allem im Ausland – Konjunktur hat, und zumindest eines zeigt: Die Frage nach der Vorstellung von Stadt und städtischem Leben hat weltweit (wieder) große Bedeutung erlangt und ist momentan besonders virulent. Das Forum aktueller Architektur greift in diesem Jahr die international geführten Debatten um die Zukunftsperspektiven des Städtischen auf. Wie sollen und können sich die Städte in Europa und anderen Kontinenten zwischen enormem Wachstum einerseits und Schrumpfung andererseits entwickeln? Wie definieren wir heute Urbanität und welchen Einfluss darauf haben stadtplanerische und architektonische Konzepte? Wir werden den Stand der Dinge in Deutschland analysieren und mit der Situation in anderen Ländern vergleichen und dazu internationale Fachleute aus Theorie und Praxis zu Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, zu Symposien und Workshops einladen. Publikumswirksame Ausstellungen, Installationen und Aktionen, ebenfalls von internationalen Kuratoren, Architekten, Stadtplanern und Künstlern konzipiert und gestaltet, werden das Gesamtthema in großer Breite erschließen und vermitteln. Auf diese Weise soll ein Bild des „State of the Art“ der urbanistischen Diskussion entstehen, das soziologische, geographische, philosophische, literarische und politische Statements mit beinhaltet.